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Fantastische Filme


Ähnlich faszinierend wie ein fantastischer Roman ist ein wunderbarer gut gemachter Film. Auch eine Roman-Verfilmung muss keineswegs die eigene Vorstellung im Kopf verdrängen, es kann auch beides ebenso parallel existieren wie zwei unterschiedliche Verfilmungen der selben Vorlage. Remakes verblassen meist im Glanz des Originals, bleiben aber für sich betrachtet oft sehenswerte Filme. Solaris, Wüstenplanet und Kingdom Hospital sind gute Beispiele dafür. Fantasy-Verfilmungen haben es oft besonders schwer, auch wenn Regisseure und Film-Team so eng mit der Autorin zusammen arbeiten wie es bei Harry Potter der Fall war.


Märchen-Anime - Hayao Miyazaki und Mamoru Oshii:

Chihiro's Dream
Drei japanische Zeichentrickfilme lockten ein Millionenpublikum in die Kinos
... in Japan! In Deutschland liefen meist nur im Programmkino:

Ghost in the Shell
Prinzessin Mononoke
Chihiro's Dream
(Chihiros Reise ins Traumland)

letztere beide von Hayao Miyazaki.

Avalon by Mamoru Oshii
Im selben Gedankenbereich wie sein Anime-Klassiker Ghost in the Shell lehnt sich Mamoru Oshii's 2000'er Film Avalon optisch an Matrix, Delicatessen, 1984 und alte Kieslowski-Filme an. Streckenweise fast nur in Schwarz und Bernstein-Orange gehalten und in alten polnischen Ruinen und Fabriken gedreht. Die Grenze zwischen Realität und Cyberspace scheint anfangs noch klar definiert, aber ist sie es wirklich? Obwohl der Vorspann und diverse Filmkritiker den Vergleich mit Matrix nahelegen, ist die Story doch eigentlich grundverschieden, und erfreulicherweise kann Avalon auf ein plattes Feindbild verzichten. In einer düsteren Zukunftswelt will die Jugend ihre innere Leere durch die Teilnahme am illegalen Cyberspace-Kriegsspiel loswerden. Das ist ja bei vielen Leuten nie anders gewesen, seien es nun Computerspiele oder reale Kriege um Nation oder Glauben. Aber in dieser Avalon-Story werden die Nachteile von Spiel und Realität noch dadurch verbunden, dass derjenige, der im simulierten Kampf stirbt, sein Bewusstsein verliert und fortan in einem Pflegeheim vor sich hin vegetiert. Das kann natürlich nicht die ganze Faszination des Spiels erklären, und so macht sich die Cyber-Kriegerin Ash (Malgorzata Foremniak) auf die Suche nach der mythischen Anderwelt Avalon.

 


Delicatessen und Geister - Jeunet, Trier, Tykwer:

Vor Dogma- und Dogville-Zeiten drehte Lars von Trier eine auch satirische Groteske: Hospital der Geister (The Kingdom). Die Story ist dünn, aber die Atmosphäre überzeugt. Geheimtipp, der im dritten Programm lief - beim nächsten Mal besser nicht verpassen ... oder die DVD besorgen. Stephen King 's Amerikanische Variante (Kingdom Hospital) ist auch ganz O.K., und Trier ist angeblich Fan von King. Ich bevorzuge auf jeden Fall auch hier das Original.

Fantastisch ist auf seine Weise auch Der Krieger und die Kaiserin, eine schräge Liebesgeschichte die Tom Tykwer mit Franka Potente in Wuppertal drehte, einer Stadt deren schmales Tal nicht nur von der Schwebebahn und ihrem Stahlgerüst, sondern manchmal auch von einer bedrückenden Atmosphäre durchzogen wird.

Delicatessen - Schräger Film mit dem oft makabren Humor von Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro.

Der Weltraum, das Raumschiff, die klassische Space Opera:

2001 - Odyssee im Weltraum
Klassische Science-Fiction - das bedeutet Weltraum, Raumschiff, bunte Lichter und so weiter, oder aber Endzeit-Szenario auf der Erde. Sci-Fi-Einsteiger können sich gleich auf die besseren Vertreter dieses Genres konzentrieren: Solaris (die russische Verfilmung des Lem-Romans); Total Recall und Minority Report (Wer die Erzählung von Philip K. Dick liest kann der Geschichte noch mehr Tiefe abgewinnen.); 2001: Odyssee im Weltraum; Dune - der Wüstenplanet (Klar ist auch hier das Buch besser, aber der Film ist und bleibt sehr sehenswert. Einige Ideen von Comic-Zeichner Moebius sind ja doch noch drin.); Alien 1 (denn wie so oft ist der erste Teil nicht wirklich zu toppen); Soylent Green (oder auch: "2022 ... die überleben wollen" ... aber sie dürfen nicht, wegen der bösen Technokraten); Andromeda - tödlicher Staub aus dem All; Die Körperfresser kommen (in diversen Verfilmungen, die 70er Jahre Version mit Leonard Nimoy hat mich damals echt geschockt. Gruselig, trotz fragwürdiger Story die an frühe Kurzgeschichten von Philip K. Dick erinnert). Weniger schaurig, aber ein zeitloser Klassiker für Jung und Alt bleibt der kleine Außerirdische E.T. in einem der besten Filme von Steven Spielberg und Drew Barrymore.



Matrix, Illuminaten und Stephen King: die scheinbar normale Welt:

Carrie - Des Satans jüngste Tochter (Zurück in die Gegenwart, besser gesagt ins 20. Jahrhundert: Es beginnt als harmloser Highschool-Film, und ist einer der besten Stephen King-Filme).

Strange Days ist gegen 1996 leider untergegangen, trotz Ralph Fiennes und Juliette Lewis; eine Cyberspace-Story die viel über die 1990er Jahre erzählt und konsequenterweise auf ein Finale am 31.12.1999 zuläuft.

23 - Nichts ist so wie es scheint, so scheint es Karl Koch in den Achtzigerjahren, ein Computerhacker, der das Buch "Illuminatus" zu wörtlich nahm und durch seine Streifzüge in den Netzwerken vor der Internet-Ära schließlich die Geheimdienste auf sich aufmerksam machte. Die Umstände seines Todes sind bis heute nicht endgültig geklärt worden.

Zurück ins Reich der Fiktion: Die Truman Show stellt die Frage, wie real die Realität ist, insbesondere die "Reality-TV" Realität. Vorhersehbar, aber intelligent und ziemlich witzig.

Der vollständigkeit halber: Matrix wirft bekanntlich auch die Frage nach der Realität auf, allerdings inhaltlich ähnlich seicht wie bei Truman, denn die der Matrix zu Grunde liegende Realität wird nicht in Frage gestellt, weiter reichender Zweifel und Dekonstruktivismus ist wohl weiterhin den Universtitäten, Klöstern und phantastischen Romanen vorbehalten (z.B. Lem's Futurologischer Kongress). Letztlich sind diese Hollywood-Filme Geschichten vom Ausbruch aus einer konkreten Gefangenschaft und dem Kampf gegen einen realen äußeren Gegner. Die Matrix ist und bleibt trotz allem der Cyberspace-Film der Neunziger, weil er einfach verdammt gut gemacht ist und mit futuristischer Atmosphäre und rasanten Action-Szenen begeistert.

The Sixth Sense ist auch ein grossartiger Film mit schaurigen Bildern und einem Ende zum Mitdenken. Wenn ich jetzt noch Fight Club und vor allem auch Angel Heart ins Spiel bringe, stehen wir wieder mit beiden Füßen auf der guten alten Erde, bloß von Realität immer noch keine Spur, eher die Verwirrung um diese, was viele auch an Fight Club begeisterte.

Vampire, Blut und Geister - klassische Schauergeschichten:

Bram Stoker's Dracula
Und dort sind wir dann bereit für die klassische Schauergeschichte und Filme mit viel Blut und viel Stil, beispielsweise der wunderschöne Vampirfilm Dracula oder Sleepy Hollow (sehr frei nach der Erzählung von Washington Irving), oder dem sehr blutigen und sehr ästhetischen Film Die Bartholomäusnacht. Und noch einer über die Religionskriege: Der König der letzten Tage über die Täuferbewegung im mittelalterlichen Münster. Die sehenswerte TV-Produktion blieb leider bislang weitgehend unbekannt.


Unter den Filmen von Tarantino hervorzuheben sind Kill Bill 1 mit den ästhetisch perfekten Kampfszenen in Japan und Jackie Brown, ein Krimi aus verschiedenen Perspektiven im Stil der 70er.

Der Kreis schließt sich mit Lars von Trier, der in Dogville zeigt, dass man auch ohne Spezialeffekte einen bösen, schaurigen Film drehen kann. Gleiches lässt sich auch über Thomas Vinterbergs Das Fest oder Peter Jacksons Heavenly Creatures sagen.

Für TV-Muffel: Fantastische Literatur!