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IndienIndien beflügelt seit Jahrtausenden die Fantasie von Menschen in Europa. Der Film "Slumdog Millionär" bietet einen teils lustigen und für Außenstehende teilweise auch schockierenden Einblick in das moderne Indien und verzaubert mit einer tollen Story (nach dem Buch von Vikas Swarup) und einem großartigen Soundtrack. Danny Boyle (The Beach, Trainspotting) hatte zunächst Probleme, überhaupt einen Verleih für den Film zu finden, der schließlich mit mehreren Oscars ausgezeichnet wurde. Bollywood-Fans müssen sich bis zum Ende gedulden, denn getanzt wird in diesem Film für indische Verhältnisse eher wenig. ![]() Karte von Indien In Europa erfreuen sich inzwischen die so genannten Bollywood-Filme wachsender Beliebtheit. Der Reiz von Bollywood liegt vielleicht in der Mischung von Musical-, Action- und Kitsch- Elementen, aber das können Bollywood-Fans sicher besser beantworten. Kommerziell kann die Filmindustrie aus Bombay durchaus mit Hollywood mithalten. Bollywood zelebriert eine glanzvolle Traumwelt, die allerdings mit der realen Alltagswelt in Indien überhaupt nichts zu tun hat. Bergromantik wird der Einfachheit halber oft in der Schweiz statt im krisengeplagten Himalaya gefilmt, und Schauspieler nutzen oft ihre Popularität um in der Politik Karriere zu machen wie Reagan und Arnie in den USA. Indien ist das Land der Klänge, nicht der Buchstaben. Verkehrszeichen sind so selten wie Zeitungen, dafür zeigt jeder Verkehrsteilnehmer durch ständiges Hupen oder Klingeln seine Position und die Wichtigkeit seines Fahrzeugs an ... Solche und ähnliche Schilderungen sind nicht nur witzig zu lesen, sondern verraten auch viel über den Alltag in Indien, zumal wenn sie durch ganz konkrete Verhaltenstipps ergänzt werden, wie im Buch "Culture Shock India" aus der Feder der indischen Autorin Gitanjal Kolanad. Auch musikalisch ist Indien eine ganze Welt für sich. Überall ist Popmusik zu hören, meist Bollywood-Filmmusik, laut gespielt auf kleinen Cassettenrekordern oder auch auf der Straße gesungen. Wer klassische indische Musik mit Sitar und Tabla hören oder gar kaufen will, sollte sich für die Suche viel Zeit mitbringen, aber das sollte man sowieso für die ganze Reise. Indien ist reich an verschiedenen Sprachen. Hindi und Urdu sind im Norden verbreitet, aber Englisch ist die einzige gemeinsame Sprache aller Inder. Während in der Alltagssprache einige Eigentümlichkeiten asiastischer Grammatik auffallen (die beliebte indische Frage "Possible?" entspricht dem wohl der Frage "Can?" im Thai-Englisch, und "Yes, possible!" wäre eine passende Antwort), ist die amtliche Sprache von altmodischen Redewendungen der englischen Besatzungszeit durchzogen. Das Englisch der Traveller wurde mit vereinzelten indischen Worten wie "Acha" (O.K.) angereichert. Auch die Verehrung von Shiva (der in seinem Tanz erschafft und zerstört) und Ganesha (Gott des Glücks) sind unter Travellern (und Goa-Freaks) nicht allzu ungewöhnlich. Zwar haben viele Inder viel zu wenig zu essen, so dass man als Tourist regelmäßig von bettelnden Händen umringt ist, andererseits bekommt man schon für wenige Rupien an jeder Straßenecke besseres Essen als bei den Fastfood-Ketten in der übrigen Welt. Grundzutaten indischer Mahlzeiten sind Reis und Dal (Linsen). Fleisch ist aus religiösen und oft auch finanziellen Gründen eher selten, dafür ist das Essen fast immer scharf und würzig. Mangos, Granatäpfel und Bananen gedeihen im warmen Klima gut, dagegen gelten Äpfel als seltene Delikatesse aus den Hochtälern des Himalaya. Brot ist normalerweiße dünner weißer Fladen (Chapati), andere Sorten findet man gelegentlich in Traveller-Cafes und so genannten German Bakeries. Indien ist das Land des Tees. Viele schwarze Tee-Sorten wie Assam und Darjeeling sind nach indischen Anbaugebieten benannt. Als Chai (Tee) wird aber meist Milchtee serviert, heißer schwarzer Tee mit viel Milch und viel Zucker. Kaffee ist in Indien praktisch unbekannt. Auch Autan und Moskitonetz sollte man sicherheitshalber schon in Europa kaufen, zumal Malaria durch Insekten übertragen wird und viele Errger inzwischen gegen die üblichen Medikamente resistent sind. Bakshish kann Trinkgeld, aber auch Bestechungsgeld oder Almosen bezeichnen. Wer eine Indien-Reise bezahlen kann, gilt als reich und von ihm wird Bakshish erwartet. "Westliche" Phänomene wie Atheismus, Einzelkinder oder Single-Dasein sind in der indischen Gesellschaft extrem selten und so ungewöhnlich wie kurze Hosen. Zum Grüßen und Essen benutzt man immer die rechte Hand, niemals die "unreine" linke. Indien kann auf mehrere tausend Jahre Geschichte zurück blicken. Die in Sanskrit verfassten Veden und das Kama Sutra sind weltweit bekannt, ebenso die Worte und Taten Buddhas und die des idealistischen Rechtsanwalts Mohindas "Mahatma" Gandhi, dessen gewaltloser Widerstand gegen die britischen Kolonialherren die Unabhängigkeit des indischen Staates ermöglichte. Seine Maxime "Live simply so that others may simply live!" (Lebe einfach, einfach damit auch andere leben können) stieß jedoch häufig auf verschlossene Ohren. Indische Spiele sind Schach, Carromm - ein Spiel bei dem man flache Spielsteine mit dem Finger über ein Brett kickt um sie ähnlich wie beim Billard in Löcher zu befördern bevor der Gegner das mit seinen Steinen erreicht hat, und Cricket - eine britische Variante von Baseball bei der die meisten Spieler die meiste Zeit herumstehen, zumindest sieht es für mich als Zuschauer so aus. Kein typisch indischer Sport ist dagegen der Frauenfußball, wie es der Film "Kick it like Beckham" mit Parminder Nagra und Keira Knightley amüsant schilderte. Insgesamt kann man sagen dass Indien mehr als eine Reise Wert ist, diese aber gut vorbereitet sein will. |