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Reisen - Reisetipps, Berichte und TraumzieleIndien ist das Land der Klänge und Gerüche, ein exotisches Reiseziel, das viele seiner Versprechen halten kann, aber auch ganz unerwartet und schockierend ist mit seiner Armut, seinem Schmutz und seiner Lautstärke. Jahrtausende alte Hochkultur, Armut und Reichtum, Natur, Chaos und Umweltzerstörung - hier zeigt sich die moderne Welt viel ungeschminkter und weniger geschönt und poliert als in den westlichen Metropolen des Abendlandes (die natürlich auch ihren Reiz haben). Naheliegender aber ähnlich in seinen Verheißungen waren früher Balkan und Mittelmeer. Der Balkan hat sich allerdings immer wieder erfolgreich selbst zerstört, und was Panzer und Raketen nicht schaffen, erledigen Betonmischer und Kräne: die Zerstörung idyllischer und ursprünglicher Geheimtipps. Die antiker Römer rodeten die Wälder, die seither nie wieder in ihrer alten Pracht zurückgekommen ist, die moderne Zivilisation verbaut die Küsten des Mittelmeers in Griechenland, Italien, Spanien, Kroatien und Frankreich mit Hotelburgen und Sangria-Bars. Also reisen die Touristen an die letzten Flecken, wo die Baumaschinen noch nicht angerückt sind, Reisen in die weite Welt und ins naheliegende AbendlandIm Abendland, in der westlichen Welt, ist es seit den Weltkriegen vergleichsweise ruhig und friedlich geworden, allerdings auch recht grau und unfreundlich, zumindest sagt man das gern den Deutschen nach. Dass Deutschland aber auch seine schönen Ecken hat, wunderbare Natur, schöne Städte mit Märkten, Cafés, Kunsthandwerk und Museen, mit Kinos, Konzerten und Festivals, das sollte man nie vergessen. Ein Besuch in Amsterdam, Prag oder Münster erinnert an die lebendige Tradition und Geschichte des alten Europas. Hamburg, Berlin, Rotterdam und das Ruhrgebiet präsentieren unsere Heimat von ihrer weltläufigen Seite. Hier pulsiert ein internationales, multikulturelles Deutschland, dass es jeden Tag und jede Nacht wieder neu zu entdecken gilt. Natur findet man zwar auch in jeder Stadt, oft dort, wo die Zivilisation pausiert und alte Industriegelände brachliegen oder zum Kulturerbe erklärt werden, wie der Landschaftspark Duisburg oder die ehemalige Zeche Zollverein in Essen, die inzwischen Schauplatz von Kunst und Kultur geworden sind. Die großen unbewohnten Wälder findet man indes in Norwegen, Schweden und Finnland, wunderbare Seen aber auch in Mecklenburg und Masuren, Berge und Gletscher in den Alpen, den Karpaten, Rhodopen und dem Balkan, naturbelassene Strände und alte Dörfer in der Normandie und Bretagne. Am südlichen Ende Europas bildet das Donau-Delta eine eindrucksvolle Naturlandschaft, und am westlichsten Ende hat Portugal noch den einen oder anderen Geheimtipp zu bieten, vom regen Treiben der Metropole Lissabon mal ganz zu schweigen. Afrika, Australien und die amerikanischen Kontinente hier nicht zu nennen, wäre ignorant, ebenso Arabien, Zentralasien, das Himalaya, Japan, China, Korea und all die vielen anderen Inseln und Länder. Manche Länder hat man wegen seiner Vorlieben und Vorurteile oder aus reinem Unwissen von seiner inneren Weltkarte gestrichen, so wie die USA in der Bush-Ära nicht gerade als cooles Reiseziel galt. In ein Land zu reisen, bedeutet aber nicht automatisch, Regierung und Gesellschaft gutzuheißen. Auf jeder wirklichen Reise braucht man offenen Augen und Ohren, um sich zumindest ein bisschen auf fremde Menschen und ihr Leben einzulassen, und um sich auf das Land, das Wetter und das Essen einzustellen. The Art of TravelHat man einige spektakuläre und persönliche Traumziele einmal "abgehakt", wird man freier in der Auswahl seiner Reiseziele und muss nicht unbedingt zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein - außer es steht ein Fest oder eine Sonnenfinsternis auf dem Programm. Auf Reisen scheint man nicht selten zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, wenn das Wetter nicht mitspielt oder andere unangenehme Dinge passieren. Trifft man andereseits Einheimische, die aufgrund von Tradition, Familie oder finanzieller Armut ihr Land oder gar ihr Dorf nie verlassen haben, die kein Handy, keinen Computer und keinen Kühlschrank besitzen, dann relativiert sich die eigene Weltsicht und relativieren sich die eigenen Erwartungen. Eine Reise kann auch zu einer spirituellen Reise werden. Reisen ist letztlich eine Frage der Einstellung. Wer die Hotelbar nicht verlässt, braucht keine 1000 Kilometer mit dem Flugzeug zurückzulegen, und wer kein Geld für die ersehnte Weltreise hat, erlebt vielleicht schon am nächsten Umsteigebahnhof das erste wirkliche Abenteuer. Dies ist amüsant und erhellend bei Alain de Botton nachzulesen: die "Kunst des Reisens" (The Art of Travel) besteht im Extremfall darin, gespannt und erwartungsfroh weite Reisen zu planen und diese dann niemals anzutreten, um die Träume nicht durch die Wirklichkeit enttäuschen zu müssen.
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