Stanislaw Lem wurde 1921 in Lwow (Lemberg) geboren. Er studierte Medizin, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kybernetik und arbeitete als Automechaniker. Seit den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts veröffentlicht er phantastische Romane, vor allem Science-Fiction-Romane, und wurde als nicht zuletzt als Mahner vor der Vergötterung der Technik weltberühmt.
Sein bekanntester Roman, Solaris, 1972 von Andrej Tarkowski und Jahrzehnte später von Hollywood verfilmt, erzählt zunächst ein klassisches Weltraum-Abenteuer. Der Kosmonaut und Wissenschaftler Kris Kelvin ist von der Erde zur Raumstation im Orbit des Planeten Solaris gesandt worden. Doch er wird von niemandem empfangen und die Raumstation zeigt Zeichen von Chaos und Auflösung. Der Trip ins All wird zum Trip in die Seelen der Menschen, deren Träume und Alpträume in der Raumstation greifbare Realität werden. Als Auseinandersetzung mit den Grenzen der menschlichen Erkenntnis und der Möglichkeit oder Unmöglichkeit, tatsächlich mit Außerirdischen Kontakt aufnehmen zu können.
Der Roman Solaris erschien in Polen bereits 1961, wurde aber erst 1970 in einer englischen Fassung veröffentlicht, passend zu Arthur C. Clarke's Science-Fiction-Epos 2001 - Odyssee im Weltraum, das ebenfalls das Weltall als Bild heranzieht, um die Leser in die Tiefen der menschlichen Existenz zu führen. Der Neuveröffentlichung in der Reihe Meisterwerke der Science-Fiction im Heyne Verlag ist ein Vorwort von Ursula K. Le Guin vorangestellt, worin sie berichtet wie Stanislaw Lem als Bürger des sozialistischen Staates Polen die Ehrenmitgliedschaft bei den Science Fiction Writers of America aberkannt wurde. Le Guin lehnte daraufhin aus Protest den Nebula Award ab, den sie für eine Geschichte über politische Unterdrückung erhalten sollte. "Dass der Preis dann an den Zweitplatzierten Isaac Asimov ging, einen lautstarken kalten Krieger, steigerte die Ironie in einem beinahe Lemschen Grade" (Zitat Le Guin).
Lems Werke waren oft zynisch und pessimistisch, jedoch immer wissenschaftlich fundiert und von einer großen geistigen Klarheit und Hellsichtigkeit durchdrungen. Wie auch die amerikanischen Autoren Philip K. Dick und John Brunner kritisierte Lem gesellschaftliche Entwicklungen, die in ähnlicher Form mehr und mehr Realität geworden sind.